Das letzte Hemd hat bunte Taschen

„Wie lange ist Ihrer denn schon tot?“

„17 Jahre.“

„Und sind Sie froh darüber?“

„Ja.“

„Ich auch. Am Schluss hat er schon gestunken.“

In der kalten Jahreszeit bringe ich mal etwas Wärme in eure klammen Stuben. Wer denkt, dass der Gegenstand der Unterhaltung ein asthmatischer Rottweiler ist – weit gefehlt. Zwei Wienerinnen unterhalten sich über dahingeschiedene Ehemänner.

Dieser Dialog ist leider nicht aus meinem Federkiel geflossen. Habe ihn in einem Text von Manfred Klimek gelesen. Und Klimek behauptet die Unterhaltung mit einem ausgeborgten Tonbandgerät in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgezeichnet zu haben.

In letzter Zeit war ich häufig auf Friedhöfen. Aus nicht-religiösen Gründen. Der lebensbejahende Farbrausch der mesoamerikanischen Begräbnisstätten hat mich verhext. Wie im Leben so im Tod – intensiv bis ins letzte Pigment. Schlendert man durch die Gassen eines mexikanischen Städtchens, dann gehen einem die Augen über – wenn man wie ich Farben liebt. Auch das letzte Hemd hat in Mittelamerika bunte Taschen. Sehr sympathisch. Darauf einen Tequila!

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