The Decline of the Space Cowboy

Friedrich Nietzsche hatte von moderner Landwirtschaft keine Ahnung. „Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese“, versicherte er, und riet: „Werdet wie die Kühe!“ Die Zeiten, in denen lilafarbene, vollbusige Rindviehcher versonnen von der Alm blinzelten und süßliche Milkamilch versprühten, sind vorbei. Die Kuh hat Stress, Rücken und ist aggressiv – wenn man ihr die Hörner abschneidet und ihr ständig die Kälbchen wegnimmt, so kann man die geschundene Seele kaum noch von einem durchschnittlichen Homo Sapiens mit Burn Out unterscheiden. Dabei ist Kuh ein höchst soziales Wesen, das gerne in Kommunen mit bis zu 80 Artgenossen zusammenlebt. So ist etwa die Distanz, die ein jedes Tier zu bestimmten Artgenossen einhalten muss, durch seinen Status in der Herde genau geregelt. Das Problem ist, dass landwirtschaftliche Betriebe, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen, wachsen müssen. Und jeder, der schon mal in einer WG gelebt hat, mag sich wage ausmalen, wie es ist mit 200 oder gar 2000 Mitbewohnern zusammenzuhausen. Klar, die Kuh sieht Rot. Jeder Jogger, der mit seinen fluoreszierenden Radlerhosen auch nur in die Nähe der Weide kommt, ist ein Jogger zu viel. Da kann selbst der beste Cowboy nix mehr ausrichten. Auch er ist ein Relikt vergangener Zeiten. Man hat ihm die Zigaretten, den Whisky und den Hengst entrissen. Die kaltherzige Agentur für Arbeit hat ihn zur Hühnerfarm vermittelt, da er nicht als Andrea Berg-Double taugt. Den letzten seiner Art habe ich mit Herrenhandtasche und Eierkarton auf einem Markt in Chichicastenango fotografiert. Gott hab ihn selig.

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7 Kommentare zu „The Decline of the Space Cowboy

    1. In „Menschliches, Allzumenschliches“. Bitte jetzt aber nicht denken, dass ich von Nietzsche Ahnung hätte, ich bin ein Blender. Ich muss mich geradezu überwinden philosophische Bücher zu lesen, die meisten sind total verquast formuliert und inhaltlich kann ich kaum folgen. Aber das hindert mich nicht daran dreist zu zitieren.

  1. Schau, und ich erkenne in dem Text vor allem das Jamiroquai-Zitat. So unterschiedlich sind die Menschen. Nur du bist das Universalgenie 😉

    1. Bingo:-) The Return of the Space Cowboy! Jamiroquai taugt zum Klassiker. Wenn die Sonne scheint, das Leben gut zu einem ist und man Auto fährt, dann gibt es für mich (außer Hotel California) keine bessere Musik. Das „Universalgenie“ muss jetzt zur profanen Maloche, statt in der Peter Kien-Bibliothek zu lesen. Da nur du hinter die Fassade schauen kannst, ist dieser Blog ja auch ein öffentlich geführter Telefonatvermeidungsgedankenaustausch.

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