Orthomol ist köstlich!

Der Herbst des Lebens klopft an die Tür. Sanitätshaus, Apothekenumschau und beigefarbene Bundfaltenjacken buhlen um die Groschen der Silberrücken. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich Geburtstag – und, let’s face it, baby: der Jugend Maienblüte müssen wir nun Lebewohl sagen. Keine Gnade, kein Selbstmitleid, schreibe ich die böse Zahl mal hin. Ich bin jetzt 35. In Worten: f-ü-n-f-u-n-d-d-r-e-i-ß-i-g. Himmel, Herrgott, Sakrament! Da ich bislang noch nicht über medizinische Themen gebloggt habe, ist es jetzt höchste Zeit, die Zielgruppe da abzuholen, wo sie steht: in der Apotheke.

Diesen Artikel möchte ich meiner Lieblingsmedizin widmen: Orthomol. Nun bin ich ja ein wählerischer und launischer Konsument. Es gibt nur sehr wenige Personen, deren Kaufempfehlungen ich folge. Grundvoraussetzung ist, dass die Person aus Düsseldorf kommt, der Heimat von Killepitsch und Heinrich Heine. Ja, Hilfe muss aus Düsseldorf kommen. Was sollten die desorientiert wirkenden, schlecht tatöwierten Berliner Jutetaschenträger mir auch Vernünftiges empfehlen können? Jetzt muss ich noch schreiben, was mich zwickte und warum ich einer potenten Medizin bedurfte. Es ist etwas unspektakulär, mein Immunsystem war down, bißchen ausgebrannt, böses Projekt – ja, mit solchen lumpigen Pseudokrankheiten hätte mich Dr. Brinkmann gar nicht in der Schwarzwaldklinik empfangen. Aber wozu braucht man Ärzte, wenn man einen guten Rat hat. Und der Rat, den mir eine Düsseldorfer Freundin steckt, lautet: Orthomol. Gepriesen sei das Wundermittel zur „diätetischen Behandlung von nutritiv bedingten Immundefiziten“. Ein vorurteilsbeladener Leser mag nun vielleicht glauben, dass das irgendein dämlicher Ökospöko-Scheiß ist. Weit gefehlt! Ich glaube, Zeus selbst hat einen geflügelten Götterboten vom Olymp entsendet, um den Menschen Orthomol zu bringen. One Fläschchen a day makes the sickness go away. Die Darreichungsform ist für mich wichtig. Der blaue, hübsche Karton beruhigt mich und die sieben kleinen braunen Fläschchen bringen meine Augen zum Leuchten. Ja, es ist fast ein bißchen wie M&Ms, das Produkt raschelt. Medizin muss Spaß machen. Oben im Kopf hat das Fläschchen nämlich eine Vertiefung in der sich zwei Tabletten befinden: Jod und Folsäure. Kommen wir zum Inhalt des Behältnisses. Viele tolle Vitamine und anderes Hexenwerk. Mit viel Phantasie kann man sich einreden, dass die sirupartige, steife Flüssigkeit wie (verdorbener) Frozen Daiquiri schmeckt. Tipp: Orthomol auf jeden Fall im Kühlschrank aufbewahren, dann schmeckt es besser, das enthaltene Eisen kann bei empfindlichen Zeitgenossen einen leichten Brechreiz auslösen. Zu lecker darf es nicht sein. Ist ja schließlich ein Medizinprodukt.

So, wer steckt hinter dem wunderbaren Orthomol, wenn nicht Zeus. Ich zitiere die Website: „Die Idee, Orthomol ins Leben zu rufen, wurde auf dem Münchener Flughafen geboren. Hier trafen sich zu Beginn der 1990er-Jahre Dr. Kristian Glagau, Pharma-Marketing-Experte, und Dr. Hans Dietl, Chemiker. Hans Dietl hatte sich bereits mit der orthomolekularen Medizin beschäftigt.“ Danke, Leute. Ich bin ein begeisterter Kunde. Wenn ich einen Papagei hätte, dann würde ich ihm den Satz beibringen: „Orthomol ist köstlich“. Wobei das ein bißchen gelogen wäre, da es eklig schmeckt, wenn es warm ist. Aber Sätze wie „Coco ist lieb“ haben ja auch einen zweifelhaften Wahrheitsgehalt.

 

6 Kommentare zu „Orthomol ist köstlich!

  1. Ich bin geschockt, in welchem greisen Alter manche Leute noch bloggen …  Meinen Respekt für so viel Mut und Lebenskraft auch jenseits der 29! Und auch für einen gepflegten Medikamentenmissbrauch sollte sich niemand schämen müsen.

    Hier das Beispiel eines anderen großen Autoren:

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