Wie aus einem Groschenroman

Wenn ich Groschenromane schreiben würde, dann wäre John von Düffel ein adäquates Pseudonym für dieses Genre. Und mein erstes Buch würde den Titel tragen „Christine – Wege zum Glück“. Der Autor John von Düffel existiert tatsächlich, ist jedoch alles andere als ein Groschenroman-Autor, auch wenn sein Name so klingt. Gut, mein Vorname würde auch in jedes Arztheftchen passen. Kann man nix machen.

 

JvD, ich nenne ihn nur mit Initialen, hat ein Buch geschrieben, dass mich ziemlich beeindruckt hat. Es heißt „Vom Wasser“. Ich finde, dass er eine besondere Expertise im Vermitteln von Sinneseindrücken besitzt, die mit dem flüssigen Element zu tun haben. Mittlerweile habe ich mehrere Bücher von ihm gelesen, die allesamt gut sind, aber ich habe ihn noch nie jemandem weiterempfohlen, weil mir sein Name schwer über die Lippen kommt.

 

Ich weiß auch nicht, warum ich mich so anstelle wegen diesem Groschenromannamen-Ding, wahrscheinlich bin ich einfach verkorkst. Dabei ist mein Leben stellenweise selber wie ein Groschenroman. Im Dezember bin ich vor den teutonischen Tannen, dem schweren Rotwein, der gestopften Weihnachtsgans und dem matschigen Wetter geflohen. Bin irgendwann auf Caye Caulker in einer Bar gestrandet, die Schaukeln anstatt von Barhockern hatte. Das fand ich amüsant. Die beiden Skipper neben mir auch. Mit denen habe ich dann trotz komischem Wetter am nächsten Tag einen Sunset-Sail (ohne Sonnenuntergang) unternommen. Irgendwie ist die Dunkelheit in Zusammenhang mit Regen und einer steifen Brise früher hereingebrochen, als der Wetterfrosch vermutete. Weil auf Caye Caulker immer irgendwer irgendwo einen Rumpunsch hortet, machte der auf dem Boot die Runde und ich war wegen des Wetters auch nicht allzu besorgt, da die Seeleute einen recht kompetenten Eindruck machten. Einen von ihnen fragte ich dann doch wie das Boot heißt, falls wir zum Floß der Medusa mutieren würden. Er sagte „Liberty“. Kein Witz. Nicht die schlechteste Art unterzugehen – mit dem Geschmack von Rum und Salzwasser auf den Lippen und auf einem Boot, das Liberty heißt. Da ich jetzt wieder mit Erkältung in Deutschland rumspringe, hatte die Geschichte doch noch ein Happy End. Wie im Groschenroman. Nein, den Matrosen habe ich nicht geehelicht. Das wäre dann doch zu kitschig.

3 Kommentare zu „Wie aus einem Groschenroman

  1. Ich dachte, wir hatten uns mal vor Jahren auf „Christine, Wege zum Suff“ geeinigt? Aber das war wohl auch noch in unseren jungen, wilden Zeiten.

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