Sein und Haben – der Marshmallow-Test

Ich kann nicht mit Schokolade umgehen. Wenn sie da ist, esse ich sie ganz. Deshalb habe ich nie welche im Haus. Alles oder nichts. Es scheint mir absurd nur eine Ecke zu essen. Man könnte sagen: Ich habe meine Affekte nicht unter Kontrolle. Das stimmt aber nur bedingt: Ich weiß haargenau, was ich will und in der Regel auch, wie ich es bekomme. Um übergeordnete Ziele zu erreichen, kann ich mich sehr präzise kontrollieren, aber ein läppischer Marshmallow ist kein übergeordnetes Ziel, sondern Pillepalle, ein banaler Zuckerklotz. Und für Kinkerlitzchen kasteie ich mich nicht, sondern greife genüsslich zu. S-O-F-O-R-T.

Als ich heute mal wieder einen Artikel zum Marshmallow-Test gelesen habe, musste ich schmunzeln. Klein-Christinchen hätte sich das Ding sofort in den Mund gestopft. Belohnungsaufschub? Nicht mit mir:-) Wenn die These des Persönlichkeitspsychologen Walter Mischel tragfähig wäre, hätte ich nie Abitur gemacht, nie ein Studium abgeschlossen und würde den Straßenfeger verkaufen. Dass alles anders gekommen ist, lässt mich den Marshmallow-Test argwöhnisch betrachten.

Also, der Test geht so: Ein Versuchsleiter setzt einem Kind einem Marshmallow vor die Nase und sagt: Du kannst das Ding entweder sofort essen – oder aber, wenn du 20 Minuten wartest, gebe ich dir einen zweiten. Die Fähigkeit zum Graftikationsaufschub sei ein Indikator für die Willensstärke und Kinder, die nicht warten könnten, hätten in der Schule schlechtere Noten, seien labile Persönlichkeiten und würden später in der Gosse landen.

Meine These ist: Die klugen Kinder wissen, dass…

1.) Man im richtigen Moment zugreifen muss. Wer sagt denn, dass der Onkel Versuchsleiter nach 20 Minuten wirklich noch einen zweiten Marshmallow bringt?

2.) Zeit Geld ist. In den 20 Minuten, die man nichtsnutzig im Versuchsraum wartend vor einem Marshmellow sitzt, könnte man seine kindlichen Energien gewinnbringender einsetzen. Zum Beispiel andere Erwachsene dahingehend manipulieren, dass sie einem eine ganze Tüte Marshmallows kaufen.

3.) Und last but not least: Ein Marshmallow so geil nicht ist. Da müssen schon hochwertigere Produkte kommen, damit man seine Affekte bändigt.

 

2 Kommentare zu „Sein und Haben – der Marshmallow-Test

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