Stark wie das Leben, sanft wie der Tod

Auf einer internationalen Weinmesse fragte ein Reporter einen chinesischen Sommelier, warum es im Reich der Mitte Leute gebe, die Cola in einen hochwertigen Wein mischten. Daraufhin fragte der Chinese den Reporter, warum die Europäer Zucker oder Milch in einen hochwertigen Tee kippten. Guter Konter.

Ich bin ganz auf der Seite des Chinesen: wirklich guten Tee trinkt man pur – ohne jeglichen Schnickschnack. Ebenso wie guten Alkohol, sehen wir mal von Cocktails ab. Deshalb bin ich wahrscheinlich mit der marokkanischen Teekultur nicht warm geworden. Der Tee ist derart süß, dass man wie ein Duracell-Häschen im Kreis springen möchte. Zuerst war ich ein bißchen indigniert über die „süße Bevormundung“ (der Zucker ist bereits in der Teekanne) – ich fragte mich, warum man es dem Gast nicht überlässt, ob er es lieber pur oder mit Zucker mag. Wozu gibt es Zuckerdosen? Die Marokkaner erklärten dann geduldig, dass der Tee erstens sehr heiß serviert werden muss, damit der Gast lange bleibt – zudem sehr süß zu sein hat „it sweetens people’s words“ und er sollte von hoch oben ins Glas gegossen werden, damit ein weißer Schaumkragen entsteht. Außerdem besteht die Prozedur aus drei Aufgüssen: „Der erste ist stark wie das Leben, der zweite wohltuend wie die Liebe und der dritte sanft wie der Tod“. Es gibt übrigens auch die Übersetzung „bitter wie das Leben“, die verbreiteter ist, die ich aber nicht mag. Wir haben nur ein Leben. Möge es stark sein.

2 Kommentare zu „Stark wie das Leben, sanft wie der Tod

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