Don Corleone verliert an Farbe

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„Bonasera, Bonasera, was habe ich dir getan, dass du mich so respektlos behandelst. Du kommst in mein Haus, am Hochzeitstag meiner Tochter, und bittest mich einen Mord zu begehen.“ Wenn Don Corleone die Schwarz-Weiß-Foto-Mafia verträte, so hätte dieser Satz mir gelten können. Schließlich habe ich die Schwarz-Weiß-Fotografie für tot erklärt. Zumindest für mich und die Bilder, die ich mache. Vivian Maiers BW-Fotos sind großartig, auch die von Edouard Boubat und die von vielen Magnum-Künstlern. Sie passen in die Zeit und zum (großen) Können der Künstler. Würden diese ikonischen Fotos genauso gut in Farbe funktionieren? Ehrlich: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich schon. Eine exzellente Komposition ist eine exzellente Komposition. Und ein berührendes Motiv ist ein berührendes Motiv. Woher dann meine pubertäre und leicht alberne Abneigung gegen dieses Segment (in der heutigen Zeit)? Zum einen ist es meine Liebe zur Farbe, sie ist ein wichtiger Emotionsträger im Bild. Nimmt man den Fotos die Farbe, nimmt man ihnen für mich auch die Intensität. Wenn man denn mit Farben umgehen kann. Denn Farbkomposition kann schwierig sein. Wenn ich so manches Foto schaue, erscheint es mir, als habe da jemand die gnädige Schwarzweiß-Soße über ein Motiv gegossen, das in Farbe einfach gerümpelig aussehen würde, in der Hoffnung, dass die Monochromie es irgendwie richtet… man denke an Street Fotografie. Hier ein McDonalds Schild, da ein grünes Auto, dort eine schlammfarbene Pfütze. Und am meisten schüttelt es mich bei banaler Aktfotografie, die mit Schwarz-Weiß einen pseudokünstlerischen Touch bekommen soll. Is klar. Die anderen Antipoden sind dann wieder die Megatechnik-Freaks, die mit tausend Grauabstufungen rumpopeln. Da bin ich einfach zu dilettantisch und grobschlächtig. Diese Details interessieren mich schlicht und einfach nicht. Aber ich bin kein Fundamentalist. Ich breche gerne meine eigenen Regeln. Heute war ich mal wieder charakterschwach. Als ich um diesen tollen Oldtimer rumgesprungen bin, habe ich irgendwann eingesehen, dass das Foto einfach besser in Schwarz-Weiß als in Farbe funktioniert, weil es zum Alter des dargestellten Schätzchens passt.

5 Kommentare zu „Don Corleone verliert an Farbe

  1. Manchmal lenkt Farbe auch zu sehr vom Wesentlichen ab. In schwarz und weiß geht es mehr um die Formen, die Komposition. Das Fehlen von Farbe bringt einen auch dazu, Dinge anders zu sehen als man es normalerweise tut. Ich finde, du solltest nicht zu kategorisch urteilen. Tust du ja auch nicht 😉

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