Hängt die Romantiker

Der Romantiker ist eine gefährdete Spezies. Tut er doch Dinge, die über das rein Zweckmäßige hinausgehen. Deshalb braucht er ein Reservat. In Berlin nennen wir das Reservat „Alte Nationalgalerie“. Leute wie ich gehen dorthin auf Safari. Weil wir eine romantische Beziehung zu den Romantikern haben und CDF gehört zu den „Big 5“ des Kunstreichs, wenn ich das mal so lapidar sagen darf. Er ist der König der Tiere, äh, der Romantiker. Neulich hat Caspar David Friedrich ein Face Lifting bekommen. Also eigentlich zwei. Sowohl „Der Mönch am Meer“ als auch „Die Abtei im Eichwald“ wurden aufwendig restauriert.

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Es versteht sich von selbst, dass ich da hin muss. Wer nichts mit Kunst am Hut hat, muss sich das ungefähr so vorstellen: der beste Freund / die beste Freundin meint zum Schönheitschirurgen gehen zu müssen (oder zur Kosmetikerin) und alle wollen wissen wie er / sie denn nun nach der Prozedur aussieht. Das Ganze ist natürlich ein bißchen pervers. Manche Leute überschminken sich ja ganz fürchterlich, so dass man sie gar nicht wiedererkennt. Und so ist es auch mit dem neuen CDF. An die graubraune Firnis hatte ich mich schon gewöhnt – diese düstre Stimmung hat definitiv was, das mir gefällt. Genauso wie kleine Unperfektheiten im Gesicht eines Menschen anziehend sein können. Und jetzt sieht CDF aus, als hätte er Stimmungsaufheller geschluckt – Xanax, oder wie das Zeug heißt, das sich die Amerikaner einschmeißen. Alles sehr fluffig und hell, kein düstrer Romatiker mehr, sondern ein aufgeputschter Romantiker.

Hängt die Kunsthistoriker
Recht lustig fand ich die Hängung der Bilder. Entweder war der Kurator ein bösartiger Kunsthistoriker mit schwarzem Humor oder er war ein stumpfsinniger Tropf, der im dm-Markt noch nicht einmal einen Ausbildungsplatz ergattert hätte. Warum? Nun, der Onkel Kunsthistoriker hat CDF zur Bückware degradiert. Geht’s noch?!

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Das Bild hat einen sehr tiefen Horizont, es zeigt nur eine kleine Figur auf einem Felsen an der See. Der Himmel nimmt Vierfünftel der Leinwand ein und die Musik (sprich der Mönch) spielt unten am Bildrand. Ein radikales Gemälde für die damalige Zeit. 1810 wurde das Bild das erste Mal ausgestellt. Heinrich von Kleist schrieb, wenn man es betrachte, sei es, als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären. Und der duselige Kurator hängt das Bild so tief, dass man sich bücken muss, um es zu betrachten, so wie der Herr im schönen roten Pullover. Es kann allerdings auch sein, dass der Kuarator ein schlauer, böser Bube war, und das Bild bewusst so tief gehängt hat, dass wir Safari-Gänger uns in unvorteilhafter Pose buckelnd vor dem Bild verrenken, so dass böse Menschen wie ich dann lustige Bilder machen können. Die Hängung meines Post-„Titelbildes“ ist auch ganz schön perfide. Da steht nun der Museumsbesucher schmachtend vor der hübschen Heinrike Dannecker. Und was tut die Dame? Sie blickt, ob ihrer recht hohen Hängung, kühl auf ihren Verehrer herab, der mit seiner Tüte ein bißchen wie eine Duane Hanson-Skulptur aussieht.

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Franz Schubert

Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.

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Die Winterreise ist mein liebster Liederzyklus in deutscher Sprache, er begleitet mich seit vielen Jahren. Wenn Alfred Brendel spielt und Dietrich Fischer Dieskau singt, so trifft es ins Schwarze – ich mag auch Brendel mit Matthias Goerne.

 

 

 

What you put in the frame

Joel Meyerowitz: ‚What you put in the frame determines the photograph‘ -> Video

Bei diesem Foto war ich mir unsicher – nur die Hände und die Rahmung durch die Nähmaschine oder den arbeitenden Menschen in seiner Umgebung.

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Wie auch immer: beide Bilder sind lediglich Kopien der Realität. Sie stellen nicht die von Meyerowitz angesprochene ephemere Verbindung zwischen unverbunden Subjekten oder Objekten her – also, das Momentum, in dem nur durch das Medium der Fotografie und die Imagination des „Autors“ eine Geschichte innerhalb eines Rahmens kreiert wird. Das ist mir in folgendem Bild gelungen-> Getrennte Wege. Allerdings passieren solche Momente in Bruchteilen von Sekunden, so dass es für Laien wie mich sehr schwer ist, eine akzeptable technische Qualität zu erzeugen. Aber das was Meyerowitz sagt, trifft meinen inhaltlichen Anspruch. Langer Weg.